Meinen Ironman 70.3 in Zell am See musste ich über einen Reiseveranstalter buchen, weil alle regulären Startplätze ausverkauft waren. Ich kam deshalb in den “Genuss” in einem offiziellen Ironman-Hotel übernachten zu dürfen. Da habe ich eine Menge über den speziellen Ironman-Triathleten gelernt. Das sind nämlich andere Typen als die, die man beim Ligastart im Nachbardorf antrifft – leider. Hier meine Tipps, wie Du Dich verhalten solltest, damit Du nicht (wie ich) im Ironman-Hotel als blutiger Anfänger auffliegst. Vergiss nicht: am Esstisch weiß keiner wie schnell du wirklich bist, Hauptsache ist, Du siehst schnell aus!

  1. Komm mit nassen Haare zum Abendessen. Sonnenbrille natürlich im Haar. Damit erkennen alle, dass du bis eben noch trainiert hast.
  2. Rede immer englisch! Das verleiht Dir den passenden internationaler Anstrich.
  3. Trage konsequent nur Sportschuhe, natürlich in auffälligen Neonfarben.
  4. Trage Ironman-Devotionalien bei Dir. Das Finisher-Shirt ist obligatorisch. Falls Du noch keins hasst, check die ebay-Angebote. Ein Koffer ohne Ironman-Logo, gilt nicht!
  5. Deine Pulsuhr ist natürlich das neueste Modell, die du den ganzen Tag trägst.
  6. Du bestellst eine extra große Portion Kartoffeln. Mit Nudeln würdest du dich als Ernährungs-Idiot outen. In Deine Getränke rührst Du geheimnisvolle Pülverchen ein.
  7. Bestell’ Salat, egal ob du ihn isst oder nicht. Versuch außerdem veganes Essen zu bestellen und wenn das nicht geht, lass dich umfangreich über die Inhaltsstoffe und deren Herkunft aufklären. Der Kellner bietet Dir Alkohol an? Schau ihn nur verständnislos an!
  8. Trage ein Poloshirt einer bekannten Rad-/Laufmarke. Bevorzuge dabei SRAM, Zipp, Campagnolo u.ä. Shimano  wäre zu Mainstream. Achtung: Canyon- oder Rose-Shirts können dich als Internetbesteller enttarnen. Profis bestellen Ihr Equipment aber nicht in Online-Shops. Profis werden “ausgerüstet”.
  9. Dein Fahrrad nimmst du natürlich überall mit ihm. Gerne damit öfter den Fahrstuhl hoch und runter fahren. Stell Dich mit Deinem Rad einfach in die Lobby, wenn da viel los ist.
  10. Rede wenig, sei immer “total fokussiert”

Ich war 4 Tage in diesem Testosteron-Käfig und hatte natürlich eine Menge Spaß. Die Leute nehmen es da echt ziemlich ernst. Ich würde das vielleicht auch ernst nehmen, wenn ich extra 10h Flug für einen Wettkampf in Kauf nehme und am Ende natürlich auch an den Weltmeisterschaften teilnehmen darf. Nix für ungut Leute, aber etwas lockerer kann man es schon nehmen, denke ich.

Der Typ auf dem Foto zum Beispiel hat mich nach dem Wettkampf vor dem Hotel einfach angequatscht. Ein Ami und Ironman-Fanboy, total dem Triathlon verschrieben. Der hat mir erstmal seine Lebensgeschichte erzählt und ganz nebenbei erwähnt, dass er sich gestern voll auf die Klappe gelegt hat. Das hat dann auch sein angeschwollenes Gesicht erklärt. Er freute sich aber trotzdem auf seinen Start und hatte dabei ein fettes Grinsen aufgelegt. Am Abreisetag wurde in Lobby und auf der Restaurant-Terrasse fleißig an Rädern geschraubt. Gut zu wissen, dass auch diese “Vollprofis” sich nicht merken können, in welche Richtung man die Pedale löst und dann verzweifelt mit WD 40 herumsprühen während sie abwechselnd ihren durchgenudelten 8-Inbus und die Pedale anstarren. Zu fest angezogene Schrauben ohne Montagefett sind offenbar ein internationales Problem.

Es gibt also nicht nur diese hoch-fokussierten “Profis”, sondern auch ganz entspannte und abgefahren Typen, die einfach Spaß an diesem Sport haben. Die Kunst ist es aber, die im Hotel ausfindig zu machen.

 

P.S.: Oh Scheiße, auf dem Foto hab ja auch ein Finisher-Shirt an… 🙂