Laktatschwelle

Weniger posten, mehr trainieren!

Die Platten von Roth

Es hätte ein perfekter Wettkampf werden können. Die Challenge Roth 2018 sollte meine zweite Langdistanz werden und Roth war ausgewählt, weil “Roth muss man mal gemacht haben”. Mein Ziel war ein Sub-10-Stunden-Finish, also ein souveränes Ergebnis bei 9:59:59. Gute Pferde springen eben nur so hoch, wie sie müssen.

Meine Vorbereitung war penibel, eigentlich pedantisch. Wenn ich dabei auf Details einginge, würde dieser Beitrag sicher zu langatmig. Nur fürs Gefühl ein Beispiel: Es gibt Leute, die reinige ihre Kette vor einem Wettkampf, manche schmieren etwas Öl vorher drauf. Ich hingegen habe mir nicht nur eine neue Kette gekauft – nicht irgendeine, versteht sich. Mit Entfetter die werksseitige Schmierung herausgelöst und mit dem Fön getrocknet. Dann die Kette gewachst, natürlich nicht geölt und auf der Rolle ca. 3h schön sauber eingefahren. Anstatt nur einen Ersatzschlauch, hab ich gleich zwei mitgenommen. Weil ich hinten mit Scheibe gefahren bin, hab ich die Ventillängen meiner Ersatzschläuche überprüft und die passenden Ventilverlängerungen samt Mini-Werkzeug dabei gehabt. Vorne bin ich auf Risiko gegangen und hab mit einem Tubeless-System einfach mal was Neues ausprobiert. Hinten in den Schlauch auf der Scheibe dann bei Gelegenheit auch noch Dichtmilch eingefüllt. Um nur ein paar Beispiele zu nennen… Die Liste ist lang.

Eine Erläuterung zur Berechnung der optimalen Wattwerte auf den einzelnen Streckenabschnitten erspare ich Euch an dieser Stelle, genauso wann und wie viel ich zu welchem Zeitpunkt ich essen oder trinken wollte. Schlussendlich, ich hatte den verdammten Wettkampf von oben bis unten durchgetaktet und fühlte mich echt gut vorbereitet. Etwas trainiert hab ich auch 🙂

Die Tage vor dem Wettkampf

In Roth bekommt man zur Challenge kein Hotel. Man kommt irgendwo im Radius von 30-45 Autominuten unter. Bei mir war das ein Bio-Hotel in einem Vorort von Nürnberg, zu Messetarif versteht sich. Die Challenge Roth ist eben ein echter Konjunkturmotor für die Region. Alles lief glatt!

Selbst mein Platz in der Wechselzone war an einer perfekten Stelle. Sehr gut erreichbar, super zu orten und der Ausgang ohne Schnörkel zu erreichen. Optimal!

Mein herumzickendes Schaltwerk nahm ich zum Anlass um mal im “Institut of Speed” bei Fritz Buchstaler vorbeizuschauen. Während eines gemütlichen zweiten Frühstücks beim “Schmidt” in Hilpoltstein würde das gute Stück perfekt eingestellt und die Kette flattert seither wie Frittenfett über die Kassette.

Man kann zu dieser Zeit im Neo in den Supermarkt in Hilpoltstein schlüren und du würdest nicht auffallen. In Roth und Umgebung ist während “der Challenge” wie man das regionale Großereignis dort nennt, Triathlon-Ausnahmezustand. “Welcome Home Triathletes” steht auf dem Banner am Ortseingang von Roth und so ist das definitiv auch. Mega!

Ich hab’s echt geschafft am Freitag und Samstag komplett easy rumzugammeln. Allein die Autowäsche am Freitag war vielleicht überflüssig aber das geschah tatsächlich aus reiner Langeweile. Ich war gut drauf und freute mich echt auf den Start um mal einen rauszuhauen.

Der Wettkampf

Auf meinem Grabstein könnte mal stehen: “Er hat das Schwimmen niemals aufgegeben” alternativ auch “Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen”. Schwimmen, Schwimmen, was soll ich dazu sagen. Ich hab’s einfach nicht drauf – noch nicht!!! Wartet nur ab, ich hol euch früher oder später. 🙂 In Frankfurt bin ich 2016 1:20h geschwommen. In Roth sollten es 1:09h werden. Wenn ich mal 1:00h schaffe, quittiere ich den Dienst im Gütersloher Nordbad und setze mich zur Ruhe. Schwimmen ist neben Radfahren und Laufen sehr technisch und man muss eben diese Technik draufhaben um schnell zu sein. Ich hab’s nicht und bin deshalb auch nicht schnell. In Roth lief’s irgendwie ganz easy und ich war dann mit 1:14 aus dem Wasser. Langsamer als geplant, aber dafür entspannt aus’m Wasser. Ehrlich gesagt ist das meine Standardausrede. Profimäßig hatte ich meinen Einteiler nur bis zur Hüfte angezogen, damit meine Schultern genug Raum zur inneffizienten Kraftentfaltung haben. Die Ärmel wollte ich  auf dem Weg zum Rad komplett anziehen. Hab’ ich auch, allerdings hab ich dafür Ewigkeiten gebraucht. Das Teil ist natürlich super eng und wenn’s nass ist, kommt man einfach nicht rein. Irgendwann dann doch… naja. Die paar Sekunden die ich dadurch beim Schwimmen eventuell gespart habe, waren jedenfalls wieder verflogen.

Radfahren – meine Disziplin

Wenn ich mich auf etwas gefreut habe, dann auf 180km Gummi-Geben. Ich hatte knapp 6.000 Radkilometer in den Beinen, das beste Material, alles x-fach getestet und optimiert. Den Wettkampf x-Mal durchgerechnet und die optimalen Wattwerte ermittelt. Ich war voll auf Kurs, der Hobel schnurrte und ich spulte Kilometer für Kilometer voll im Soll ab. Meeega! Das erste Viertel war ich noch etwas hinter dem Plan und hatte etwas Zweifel, dass meine Berechnungen doch nur blanke Theorie wären, doch als ich die 90km voll hatte, war ich mit 36 km/h Durchschnitt volle Pulle im Plan. Es lief wie Frittenfett! Ein breites Grinsen konnte ich mir in dem Moment nicht verwehren. Das ist hier heute dein Tag. Die Temperatur war perfekt. Der Wind machte mir keine Probleme. So überholte ich einen Fahrer nach dem anderen. Linke Spur, Blinker links: Hier kommt der Time-Trial-Raudi! 

Pfffffffzzzz

Zwischen Wallensau und Laffenau – also irgendwo im Nirgendwo – gibt es dann nach zweieinhalb Stunden und knapp 95 Kilometer dieses Zischen. Ein Geräusch, das bei jedem Rennradfahrer mindestens ein “neeeiiiin” hervorruft. Es ist sofort klar: Du hast einen Plattfuß. Es nützt nichts, man muss anhalten und die Panne beheben. Das Zischen war allerdings so schnell vorbei, dass ich einen Augenblick dachte, die Dichtmilch hätte das Loch geflickt und müsste nur schnell nachpumpen. Fehlanzeige. Der Plattfuß offenbarte sich in seiner vollen Schönheit – auf dem Hinterrad. Glück gehabt, dachte ich mir spontan, weil nicht der Vorderreifen betroffen war. Der Tubeless-Reifen sitzt so dermaßen tight auf der Felge, dass es der Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Mars-Mission nahekommt dort unbeschadet einen Schlauch hineinzubekommen. ABER – es war ja das Hinterrad mit klassischem Faltreifen. Einen Schlauch wechseln, stellt für mich keine besondere Herausforderung da. Also, ran an die Arbeit. Trotz Ärger, versuchte ich besonnen zu bleiben und jeden Arbeitsschritt lieber sorgfältig zu erledigen als am Ende alles doppelt machen zu müssen. Die Tiere dort im Wald werden sich dennoch gefragt haben, wer da denn ständig “Scheiiiiiii******eee” gröhlt.

“Wenn Du es eilig hast, wechsle Deine Schläuche langsam, junger Triathlet.”
würden Yoda oder der Dalei Lama sagen.

Am Solarer Berg war noch alles in bester Ordnung.

Neben mir stand ein Ami o.ä. der völlig lost war. So ein Zufall. Mitten auf der Strecke an einer Stelle gleich zwei Pannen. Sein Schaltwerk war abgerissen und sonst war das Rad auch in keinem guten Zustand – er selbst auch nicht. Man fragt sich manchmal wirklich, was die Leute so glauben, wenn sie sich auf den Weg zu einer Langdistanz machen. Ich konnte ihm nicht helfen und da er praktisch gar kein Werkzeug oder Ersatz dabei hatte und auch sonst nicht besonders kompetent wirkte, konnte er mir auch nicht weiterhelfen. Mein Reifen war überprüft, mein neuer Schlauch schon drin, der Mantel wieder drauf, jetzt nur noch aufpumpen. CO2-Kartusche und Pumpe und ähhhh…. neiiin! Entfuhr es mir. Meine CO2-Pumpe hatte keinen 90° Knick und einen Winkel-Adapter hatte ich auch nicht dabei. Den hatte ich sinnigerweise am Morgen vor dem Schwimmstart in meinen Rucksack und nicht ins Fahrrad gepackt. So stand ich da und konnte nicht aufpumpen. Keine Ahnung, wie oft ich “Schei**e” in den Wald gebrüllt habe. Der Ami neben mir versuchte mich zu beruhigen und faselte was von “I called my friends, they will pick us up”. Na spitze, haben die ein Ersatzlaufrad dabei oder einen Winkeladapter für meine Scheibe? Er verstand nur Bahnhof. Offenbar wie die anderen Vorbeifahrenden auch. Auf meine Rufe nach CO2-Pumpe oder “Infllaaaattttooooor” reagiert nämlich niemand. Mit meiner CO2-Kartusche wedelnd stand ich also am Straßenrand und die Minuten rannten davon. Ich war machtlos, stampfte manchmal wie Rumpelstilzchen auf der Stelle herum.

Plötzlich kam ein Bulli mit hilfsbereiten Offiziellen – der Rückholservice. Offenbar hatten die Freunde des Amis eben diesen informiert. Die wollten mich auch direkt mitnehmen, ich wollte es aber noch versuchen und hoffte auf ein vom Himmel fallendes Winkelstück. Hatten die nicht dabei und wollten dann auch langsam wieder los, nachdem der Ami aufgeladen waren.

Kurz bevor die losfuhren, fragte ich noch nach einem Ersatzhinterrad. “Haben wir leider nicht”… ” Schade, aber hey, habt ihr vielleicht eine Luftpumpe?”, “Jau, hab ich, warte mal”. Und plötzlich hatte ich wieder Hoffnung. Natürlich passte das ganze Zeug nicht auf diese Mist-Scheibe. Verdammte Scheibe, dachte ich mir. Er hatte aber eine CO2-Pumpe mit 90°-Ecke und plötzlich war mein Reifen wieder stramm gefüllt. “Wenn ich die hier jetzt rausziehe, knicke ich wahrscheinlich das Ventil ab”. Seine Pumpe war nämlich etwas zu groß oder das Loch zu klein oder das Ventil zu lang, wie man will, es passte einfach nicht. “Dann versuch’s halt.” sagte ich in meiner Euphorie. Mein Herausrupfen ging schon ordentlich Druck verloren und das Ventil sah definitiv nicht gesund aus. Ich konnte aber erstmal weiterfahren. Arschlecken!

Aufholjagd #1

Bei Kilometer 120 in Greding wollte ich um 11:30 Uhr sein. Dort hatte ich mich mit Familie und Co. verabredet. Das konnte ich definitiv nicht aufholen und trotzdem hatte ich noch die Hoffnung es irgendwie wieder gerade bügeln zu können. Weit über meinen Verhältnissen trat ich ordentlich in die Pedale und machte verlorene Plätze und etwas Zeit wieder gut. Der Wettkampf hatte sich jedoch drastisch geändert. Plötzlich befand ich mich in einem ganz anderen Teilnehmerfeld. Es gab niemanden mehr an dem man sich hätte orientieren können, kaum erstrebenswerte “Opfer” am Horizont, die man sich zurechtlegen konnte. Außerdem hatte sich die Stimmung am Straßenrand geändert. Alles war etwas weniger und leiser geworden. Der Spirit von den ersten Runde war verflogen. Jetzt musste gearbeitet werden.

So richtig gut fühlte sich das Hinterrad nicht an und irgendwie passten Watt und Geschwindigkeit auch nicht zueinander. Es war jedoch ein recht welliger Abschnitt und den Wind konnte auch nicht so gut einschätzen, deshalb dachte ich einfach, der Speed würde schon passen, weil es einfach bergan geht und ich vielleicht etwas Gegenwind hätte.

Plattfuß Nummer 2

Am verabredeten Punkt angekommen, brachte der Blick auf die Uhr die unschöne Wahrheit zu Tage: mein unfreiwilliger Pitstop hat fast eine halbe Stunde gekostet. Hier in Greding stand meine Crew und ich hielt kurz an um auch noch mein Hinterrad zu checken und siehe da: Der nächste Plattfuß. Offenbar war das Ventil so im Eimer, dass es die Luft nicht halten konnte und ich war mit einem “Schleicher” (Anm. d. Red. Fachbegriff für einen Reifen der langsam Druck verliert) unterwegs. Wenigstens war meine Mutter beruhigt, dass mir nichts schlimmeres passiert ist. Schließlich hatte man eine halbe Stunde auf mich gewartet ohne zu wissen, was passiert war.

Aufgeregt fragte ich, ob hier denn irgendwo ein Bike-Service wäre. Schließlich gibt es insgesamt 3 solcher Stationen und dazu patrouillieren noch mobile Mechaniker auf der Strecke. Irgendjemand rief dann, dass oben am Ende des Anstiegs so ein Servicepunkt wäre. Ich also wieder in die Pedale getreten und mit Plattfuß den Anstieg von Greding hoch. Meine Frau und mein Vereinskollege Lasse liefen neben mir hoch. Die beiden musste sich dabei sicher ein paar Kraftausdrücke anhören, mit denen ich meine aktuelle Lage kommentieren wollte. Dennoch blieben sie ruhig, versuchten mir irgendwie zu helfen. Oben angekommen war dort natürlich kein Bike-Service. Ich entdecke aber zwei andere Athletinnen, die an ihren Rädern hantierten oder das Rennen aufgegeben hatten. Irgendwann stellte sich heraus, dass dort jemand eine passende CO2-Pumpe dabei hatte und mir war erstmal weitergeholfen. Gut, dass ich einen zweiten Ersatz-Schlauch dabei hatte. Auch dieser Stopp schlug mit knapp 20 Minuten wieder zu Buche und es war endgültig klar, dass ich mein ursprüngliches Ziel nicht mehr werde erreichen können.

Lasse hatte aber die passende Motivation auf Lager: “Hak’ das einfach ab und lauf jetzt noch einen ordentlich Marathon.”

Dennoch hatte ich noch ein paar Kilometer auf der Radstrecke vor. Als ich dann losfuhr kamen auch direkt zwei Quads mit Ersatzlaufrädern vorbei. Perfektes Timing dachte ich mir ironisch.

Aufholjagd #2

Mein Gott war ich frustriert. Man kann sich diese Situation gar nicht vorstellen. Im Vorfeld hatte ich mich auf einen Plattfuß mental vorbereitet und war dann genau in dieser Situation auch halbwegs cool. Wie ich mich jedoch fühlen würde, wenn klar ist, dass man Ziel überhaupt nicht mehr erreichbar wäre, hatte ich nicht auf meiner Liste. Es war echt übel und ich hatte Momente in denen mir es wirklich schwer viel überhaupt noch weiterzufahren. Dort aber irgendwo stumpf anzuhalten um auf den Rückholservice zu warten, wäre mir dann aber auch zu blöd gewesen. So schön ist es auf der Radstrecke dann nun auch nicht.

Während ich also wieder einen um den anderen Fahrer überholte rief mir dann irgendwann jemand etwas zu: “Ey, du hast mich jetzt das dritte Mal überholt, was macht Du hier eigentlich?” Ich musste schmunzeln, hatte keine passende Antwort auf Lager, war aber wieder gut gelaunt und drückte frohen Mutes ins Pedal. Die beiden Bielefelder Christian Engelmann und Christian Terstesse hatte ich auf den letzten Kilometern auf dem Rad auch noch getroffen. Schön, wenn man in der Fremde nicht alleine ist. 🙂

Der Marathon

Plötzlich hat man 180km abgespult für die ich leider ca. 45 Minuten zu viel gebraucht hatte, aber gut. Nützt ja nix. Weiter geht’s! Jetzt noch einen vernünftigen Marathon laufen, war die Devise.

Ursprünglich wollte ich die 180km in 4:59h absolvieren und damit ähnlich wie Hendrik Simm mit seiner sagenumwobenen Schwimmzeit von 49 Minuten (Ironman Frankfurt 2016) in die Geschichte des 1. Tri-Team Gütersloh GTV eingehen. Danach wollte ich dann recht “vernünftig” den Marathon in 3:30h finishen. Die Radzeit war mir aber wichtiger ;-). Da ich ja nun Erholungspausen beim Radfahren hatte, war ich etwas risikobereiter und fand eine 3:20h bis 3:25h auch ganz passend. Der Halbmarathon lief noch “gut”. Wer jedoch mal einen Ironman gemacht hat, weiß wie man sich auf dem Marathon fühlt. Von “gut” kann da nicht die Rede sein. “Den Umständen entsprechend gut” ist die treffendere Formulierung. Man ist einfach im Eimer, versucht sein Tempo zu halten und es mit Würde ins Ziel zu schaffen. Wer etwas anderes erzählt, gibt nicht sein Bestes oder erzählt Bullshit.

Der Einbruch wird kommen, die Frage ist nur wann.

In einem isolierten Marathon kommt der “Mann mit dem Hammer” bei Kilometer 37, sagt der Ausdauer-Volksmund. Da fängt dann der Marathon an. Im Ironman kann es dich jederzeit erwischen. Irgendwann hast Du deine Speicher aufgebraucht, der Körper kann nicht genug der zugeführten Kohlenhydrate verarbeiten und du fällst in ein energetisches Loch. Genau das passierte bei mir schon bei Kilometer 23. Die Hitze, die Länge des Wettkampfs, die Intensität. Ich schleppte mich von Verpflegung zu Verpflegung, fand immer mehr Argumente um mal ein paar Schritte zu gehen. Diese Gehpausen wirken auf den gemeinen Ironman wie Heroin: Wenn Du einmal damit angefangen hast, bist Du drauf und brauchst immer mehr davon.

Die Stimmung auf der Strecke in Roth war natürlich phänomenal. Wobei ich sagen muss, dass es entlang des Kanals schon ziemlich zäh und einsam zugeht. Eigentlich würde man nicht auf die Idee kommen, dort einen Marathon zu laufen. Mein Team unterstützte mich tatkräftig und von allen Ecken und Ende wurde man angefeuert aber die GPS-Uhr war gnadenlos. Eine Pace von 4:50 war nicht mehr drin. Immer öfter stand die 5 vorne und in mir wuchs auch hier die Gewissheit: die 3:25h kannst’e mal getrost vergessen. Es geht aber immer weiter. Schritt für Schritt, Kilometer für Kilometer und Aufhören ist keine Option. Irgendwie muss man ja eh wieder nach Hause kommen.

Was mach’ ich hier eigentlich?

Der innere Dialog ist schon interessant, vermutlich das spannendste in dieser ganzen Ausdauerklamotte. Sobald du das eigene Tun in Frage stellst, wird es schwer. Das ist keine gute Bewältigungsstrategie. Für diesen Moment brauchst Du gute Antworten. Dir muss klar sein, was Du hier wirklich treibst und warum du dir das hier tatsächlich antust. Rein sportlich war man Ziel dahin. Stunden des Trainings, unzählige Entbehrungen für ein sowieso schwachsinniges Ziel (von außen betrachtet) und dann ist selbst das wie weggeblasen. Was bleibt Dir da noch als Motivation übrig?

Für mich spielt das “Durchziehen” die übergeordnete Rolle. Sozusagen ein Lebensmotto, ein Wert den ich lebe und gerne vermitteln möchte. Weitermachen, auch wenn es eigentlich genug Gründe zum Aufgeben gibt. Das Aufgeben bringt dich nicht weiter, ist kein erstrebenswerter Zustand. Wer fühlt sich gut, nachdem er etwas nicht zu Ende gebracht hat? Ich will es wenigstens versucht haben. Im Ausdauerdreikampf (wie ist jetzt die Presse nennen würde, um nicht zu oft “Triathlon” zu schreiben) ist es eben dieses Durchhalten oder das Ankommen. Die selbst gestellte Herausforderung zu schaffen ist für uns Altersklassen-Athleten das oberste Ziel, die hauptsächliche Motivation. Manch einer macht es wegen des Ironman-Rucksacks oder wegen des Finisher-T-Shirts und der erhofften sozialen Anerkennung. Die meisten machen es aber “gegen sich selbst” und kämpfen gegen die Uhr.

Das Ziel

Mein Vereinskollege Chris konnte wegen einer Verletzung kaum trainieren, hat bei weitem nicht das Pensum geschafft, was für eine Langdistanz notwendig wäre. Er ist trotzdem gestartet und ins Ziel gekommen, sogar viel besser als es viele mit Training geschafft hätte. Hut ab! Der Junge kann sich quälen.

Plötzlich bist du auf dem roten Teppich, im Triathlon-Stadion von Roth. Wenn man richtig Show haben möchte, sollte man sich Zeit lassen. Ich war froh, als es zu Ende war. Als der längste Tag im Triathleten-Jahr mit so viel Pech endlich zu Ende ging. Gefreut habe ich mich ehrlich gesagt nicht. Meine Enttäuschung und die Wut über mich selbst, den Pumpenadapter vergessen zu haben, waren zu groß. Natürlich hat mein Team versucht mich aufzumuntern und natürlich hat man dennoch allen Grund stolz auf sich zu sein, wenn man eine Langdistanz finisht. Dennoch kann ich hier nichts von einer Endorphin-Dusche berichten. Von diesem Tag werden wenig gute Erinnerungen zurückbleiben.

Am Ende waren wir im Ziel, haben es durchgezogen, immer weitergemacht, sind angekommen und träumten schon im Ziel von neuen Herausforderungen. Schließlich geht’s ja genau darum. DNF is no option.

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