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Echte Helden laufen hinten – Einen Volkslauf meistern

Am vergangenen Samstag war die Isselhorster Nacht. Ein typischer Volkslauf im Dorf nebenan über ungewöhnliche 9,2km und damit eine super Gelegenheit eine 10km Bestzeit aufzustellen ;-). Der verschwommene blaue T-Shirt-Träger hat das Teil z.B. in 36:14 abgerissen.

Als Vorbereitung auf den Lauf wurde das Seminar “In 100 Tagen fit” angeboten an dem viele Freunde und Bekannte von mir teilgenommen haben. Das Ziel: Mit einem Lächeln ins Ziel zu kommen. Für viele meiner Leser ist das keine besondere Leistung, für die Teilnehmer des Seminars zum Teil aber eine unglaubliche Herausforderung und damit eine ganz ehrliche sportliche Leistung. Ich hab ein paar der Läufer während ihrer Vorbereitung erlebt und dann eine Läuferin auf ihren 9.200m begleitet. Das Training ging über 100 Tage, immer dienstags, donnerstags und samstags. Ganz leichter Einstieg mit viel Gehpausen und dann allmähliche Steigerung. Eine so vorsichtige Steigerung die in manchem Teilnehmer die Verunsicherung entstanden lies, das überhaupt am Ende schaffen zu können. Trotzdem gab es wohl eine recht hohe Ausfallquote. Fast die Hälfte hat es nicht geschafft. Viele, weil sie sich verletzt haben und sicher auch viele, die nicht die Motivation aufbringen konnten und sich statt dessen mit Ausreden begnügt haben. Den Ausreden-Special-Blog-Artikel kündige ich hiermit schon an.

Diejenigen die drangeblieben sind, durften dann die Aufregung vor dem Start erleben. Carboloading, Tapering, kalte Dusche am Morgen, das ganze Programm. Für einen Routinier völlig unverständlich, für einen von Zweifeln geplagten Debütanten, essenzielle Vorbereitungen auf 9.200m.

Der Startschuss knallt und alle los. Natürlich zu schnell und einige, die ich begleiten sollte, waren ratz fatz weg. Als “persönlicher Pacemaker” bin ich aber stumpf meinen Schnitt gelaufen. Dabei sind wir von vielen “unter X Minuten” Läufern überrundet worden. Diese vom Ehrgeiz zerfressenen oder talentierten Läufer haben meine uneingeschränkte Anerkennung. Echten Respekt hab sich aber diejenigen verdient, die sich am Ende des Feldes wirklich quälen. Ein Top-Läufer quält sich natürlich auch. Er weiß aber, was auf ihn zukommt und das er es in jedem Fall schaffen wird. Jemand, dem seine Kräfte schwinden und sich nicht mehr sicher ist, ob er das noch die nächsten 10 Minuten überhaupt noch durchstehen kann, der quält sich richtig und der kämpft wirklich um jeden Meter. Am Streckenrand stehen Freunde, Verwandte und Bekannte, die ihren Schützling anpeitschen, weil Sie die ganze Vorbereitung miterlebt haben. Das Zweifeln, die Angst vorm Scheitern aber auch der Mut und der Wille “das jetzt durchzuziehen”.

Irgendwo auf dem Weg hab ich einen Vereinskameraden getroffen, der just eine Woche vorher einen Ironman auf Hawaii Lanzarote durchgezogen hat und so wie ich auch bei diesem Lauf als “Pacemaker” unterwegs war. Wir beiden haben uns natürlich über seinen Ironman unterhalten und als wir uns aus den Augen verloren haben, musste ich darüber nachdenken, wie dieses Gespräch wohl in den Köpfen der Mitläufern angekommen ist. Vielleicht hat es sie in ihrer sportlichen Leistungsfähigkeit verunsichert aber ich hoffe, dass es ihnen gezeigt hat, das man in der Lage ist immer über seine Grenzen hinauszuwachsen, wenn man wirklich bereit ist, alles zu geben.

Jeder der Debütanten ist am Ende über seine Grenze hinausgewachsen und hat alles aus sich rausgequetscht. Meine Läuferin, die ich begleitet habe, hat das getan und alles rausgeholt.

Die Gewinner haben sich auch gefreut und haben allen Grund stolz auf sich zu sein, gleiches gilt für jeden der eine neues Bestzeit rausgepumt hat. Aber die Freude der Debütanten im Ziel darüber die Herausforderung gemeistert zu haben, über seine Grenze hinausgewachsen zu sein, den Lohn für das Training, die Aufregung, die Entbehrungen zu kassieren übertrifft dann alles und ist der wahre Grund, warum es Volksläufe gibt.

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