Laktatschwelle

Weniger posten, mehr trainieren!

Birgit macht den Hermannslauf doppelt, zum zweiten Mal

Hier in Ostwestfalen gilt man erst dann als echter Ostwestfale, wenn man den Hermann gelaufen ist. Als “Laufen” gilt eine Zeit unter 3 Stunden. Verfehlt man man diese Marke, ist man nur gegangen.

Der 31,1 km lange Hermannslauf startet am Hermannsdenkmal in Detmold und endet in Bielefeld an der Sparrenburg. Man läuft dabei über Stock und Stein und absolviert etwas mehr als 500 Höhenmeter. Diesen Sonntag ist es wieder soweit. Wenn Du dann an der Strecke stehst und auf Elias Sansar wartest, der (vermutlich) das Feld wieder anführen wird, kann es aber passieren, dass Dir eine Läuferin mit der falschen Richtung auffällt. Dann bitte extra laut anfeuern!

Bei meinem ersten Versuch bin ich auch nur “gegangen”. Beim zweiten Mal (2013) bin ich dann schon “gelaufen” und habe dabei eine Frau überholt, die auf Ihrem Trikot “Doppelter Hermann” stehen hatte. Mit dem Gedanken, diese Strecke hin und dann auch noch zurück zu laufen, kann man sich schon ein paar Minuten beschäftigen. Man kommt vor allem zur Einsicht, dass man sich bitte nicht so anstellen soll, schließlich gibt es Leute, die diese Tortur gleich doppelt durchziehen.

Birgit läuft den Hermannslauf doppelt – zum zweiten Mal

Im Zielbereich des Hermanns kannst Du Erschöpfung in Perfektion studieren. Wer es hierhin geschafft hat, ist total im Arsch. Birgit wird diesen Sonntag in Bielefeld (vom Ziel) die Strecke rückwärts bis zum Start am Hermannsdenkmal laufen um dort mit den 7.000 anderen Läufern zurück zu laufen. Dazu muss man wissen, dass der Hermann trotz seiner ca. 515 positiven Höhenmetern eigentlich ein Bergab-Lauf ist, weil der Start (371m) mit 206m etwas höher als das Ziel (165m) liegt. Wenn Basti und ich traineren, laufen wir die Strecke auch rückwärts, kehren dann aber spätestens im Schopketal wieder um. Der Hinweg frisst bei mir jedenfalls schon ordentlich Körner. Birgit muss also auf ihrem Hinweg eine deutliche anspruchsvollere Strecke absolvieren.

Streckenprofil des Hermannslaufs

Streckenprofil des Hermannslaufs

Alle anderen haben sich dabei schön faul mit dem Bus nach Detmold kutschieren lassen, um sich dann im Ziel ordentlich was auf Ihre monströse Anstrengung einzubilden.

Jeder Hermannsläufer hat meine uneingeschränkte Anerkennung für seine persönliche Leistung. Vor denjenigen, die sich den doppelten Hermann geben, kann ich mir nur demütig verneigen. 2009 waren Oliver Arndt und Lojos Speck auch mal so bekloppt und sind die 62,2 km in 5:51:08h gelaufen. Birgit hat es dann 2013 als erste Frau geschafft und tritt dieses Jahr zur Wiederholung an: Doppelter Hermann – zum zweiten Mal!

Schnellsein ist größtenteils eine Frage des Talents. Die Ausdauer ist dabei ebenfalls genetisch beeinflusst, doch viel besser trainierbar als z.B. Kraft oder eben Schnelligkeit. Trainierbar heißt auf diesem Niveau astreine Quälerei, absolute Konstanz und viel, viel Zeit. Viel Zeit und viel Quälerei! Das schaffst Du nur mit Hingabe.

Für Birgit lockeres Training

Über Birgit Schmidt-Böse aus Gütersloh gibt es noch deutlich mehr an sportlichen Extremleistungen zu berichten, als so ein läppischer Doppelter Hermannslauf. Birgit ist Triathletin (im besten Verein weit und breit, dem 1. Tri-Team Gütersloh GTV, wie ich auch) und macht Dir einen Ironman zum Frühstück. 2013 stand Sie bei einem Double-Ultra-Triathlon am Start. Mit Joe Kelly ist sie neulich durch Namibia gelaufen, auf ihrem Auto macht sie Werbung für einen Ultra-Marathon und auf Facebook werden regelmäßig Fotos von beeindruckenden Trainingskilometern gepostet. Da merkst du erstmal, wie “wenig” du selbst trainierst. Ach ja, Mutter von zwei Kindern ist Sie auch noch.

#EchtHarterKnochen darf man wohl sagen. Ich hab mich jedenfalls noch nicht getraut, mit ihr mal eine Trainingsausfahrt auf dem Rennrad zu machen. 🙂
Von dieser Stelle aus: Alles Gute für Sonntag, zieh durch, Birgit!
… und immer schön unter der Laktatschwelle bleiben.

 

Beitragsfoto von Birgit (privat)

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