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Wettkampfbericht: Ironman 70.3 Zell am See im August 2015

Tja, was soll ich sagen? Es ist einfach nichts spektakuläres passiert. Kein Regen, kein Sturz, keine gesteigerte Darmaktivität, kein Zusammenbruch, kein Platten. Dafür aber meine erste Mitteldistanz, mein erster Ironman-Wettkampf und auch mein erster Wettkampf im Ausland. 1,9km durch den Zeller See, 90km durch die Berge, dabei knapp 1.000 Höhenmeter (ca. 10mal zum “Peter” hoch) um dann noch 21,1 km in zwei Runden entlang des Ufers zu laufen, bei 30°C+.

Schwimmen

Ich hab mich recht weit hinten einsortiert und bin entspannt losgeschwommen, um dann zu merken, dass ich hier definitiv nicht der langsamste bin. Ich hab tatsächlich andere Schwimmer überholt, musste überholen. Man bekommt ab und an mal einen Tritt an den Kopf aber irgendwann wurde es etwas ruhiger. Normalerweise schwimme ich im 4er oder 3er Zug. In Wettkämpfen bin ich aber offenbar so aufgeregt, dass ich am Anfang immer einen 2er Zug mache. Das drückt bei mir aber ziemlich auf’s Tempo, nach etwas 750m fühlte ich mich aber “eingeschwommen”. Das hab ich vorher natürlich nicht gemacht, werde das aber in Zukunft immer machen um nicht so hektisch zu starten. So planschte ich durch den See, wurde überholt, hab überholt, bin anderen “hinten reingeschwommen” usw. usw. Schwimmen im Zeller See beim Ironman 70.3

Verwunderlich fand ich zwischendurch, wie weit man doch so schwimmt und wie lange man auch unterwegs ist. Vor einem Jahr hätte ich nicht gedacht, dass ich so weit am Stück schwimmen kann. Ich konzentrierte mich darauf entspannt zu schwimmen und möglichst wenig Energie zu verbrauchen und kam dann noch ca. 43min. aus dem Wasser. Voll im Plan.

Erster Wechsel

Das Wechseln war etwas komplexer als ich es gewohnt bin. Normalerweise liegt alles an Deinem Fahrrad, in Zell musste ich meine Klamotten in Beutel packen, die ich dann jeweils passend abholen musste. So holte ich meinen Rad-Beutel ab, rannte ins “Umziehzelt”, zwängte mich aus dem Neo, zog meine Rad-Klotten an, verstaute den Neo im Rad-Beutel, suchte mein Fahrrad, lief zum Fahrrad und damit dann raus aus der Wechselzone. Für diesen Spaß hab ich über 7 Minuten gebraucht. Einerseits hab ich mich nicht besonders beeilt, andererseits war das auch ein riesen Gelände. ok, weiter mit Radfahren…

Radfahren

90km un genau 900hm standen auf dem Programm. Ich hatte mir meine Wattzahl genau zurechtgelegt und bin losgedüst. Ging alles easy und die Strecke war echt super. Ein paar Hügel, tolle Ausblicke, viel Platz, super gute Beschilderung und immer wieder durfte ich ein paar andere Radfahrer überholen. Das motiviert natürlich. Ich wusste, dass es irgendwann “einen” Anstieg geben wird. Auf knapp 15km absolviert man dabei 650 von insgs. 900 Höhenmeter oder anders gesagt: Man fährt ziemlich lange, ziemlich weit nach oben. Eine Stunde bei 15km/h. Kein Zeitfahrtempo. Im Berg hab ich einen kleinen Vorteil, weil ich eher ein Leichtgewicht bin. Ich kann mich vergleichsweise Energiesparend die Berge hochschrauben, was nicht heißt, dass ich besonders schnell bin. Dank Wattmesser bin ich auch da konsequent und schön konstant immer mein Wattzahl gefahren. In den Bergen wurde ich am Anfang oft überholt und auch mir kam das Tempo und die Belastung zu gering vor. Der Wattmesser war anderer Meinung. Nach den ersten 5km bergauf, fing ich aber an, mehr und mehr Kontrahenten einzuholen, die den Berg offenbar zu schnell angegangen sind. Es wurde immer steiler und als dann irgendwann die Sonne rauskam, wurde mir auch schlagartig klar, wie schön es war, so lange im Schatten gefahren zu sein. Du vegetierst also bei 15km/h den Berg hoch und dann wurde es also heiß, ziemlich heiß. Dazu wurde es immer steiler. Einige Fahrer sind abgestiegen und haben sogar geschoben. Das sieht dann besonders komisch aus, wenn man eine 10.000 EUR Zeitfahrmaschine den Berg hochschieben muss. Von den Zeitfahrmaschinen sind am Berg aber einige krepiert. Die dicke Scheibe sieht in der Hotel-Lobby zwar gut aus, hilft dir bei 15km/h aber nicht viel. Der Gipfel wurde wortwörtlich erreicht und dann gings’ im teuflischen Tempo nach unten. Gesäumt wurde der Straßenrand von Reifenplatzern. Der Duft von zerschlissenen Bremsklötzen und geschmolzenen Carbonflanken lag in der Luft. Herrlich. Ich konnte mich an einen anderen Fahrer hängen, der entweder die Serpentinen gut kannte oder einfach vollgas gegeben hat. Ich entschied mich dafür, zu glauben, dass er die Strecke gut kennen würde und hängten mich bei 70 Sachen (max) an ihn dran. Da kühlt man dann schön ab und der Puls geht nach unten.

Radstrecke Ironman 70.3 Zell am See

astreines Panorama!

Die letzten 40km standen an. Die Leistung konnte ich konstant halten, keine Krämpfe, nichts besonders passiert. Auf den letzten 10km hab ich dann doch gemerkt, dass es mit der “Frische” so langsam bergab ging aber nach ziemlich genau 3 Stunden, war das Radfahren erledigt. Auch hier war ich genau im Plan, obwohl ich das Gefühl hatte, dass vielleicht noch etwas mehr dring gewesen wäre. Egal, es ging zum zweiten Wechsel.

Zweiter Wechsel

Endlos laufen um das Rad wegzubringen, weiterlaufen um meinen Laufbeutel zu suchen, kleinen Pinkelstopp (nach fast 4 Stunden, darf man auch mal Pinkeln, dachte ich mir), Laufschuhe anziehen und ab in die stehende Hitze. Auch dafür gingen ein paar Minuten drauf.

Laufen

Den Halbmarathon wollte ich eigentlich in meinem Marathontempo laufen. Das wäre ein guter Test für den Marathon, dachte ich mir. Das ging die ersten 2-3 Kilometer auch aber dann musste ich abreißen lassen. Schon die erste Hälfte konnte ich nicht mehr unter 5:00min/km laufen und hab mich eigentlich nur noch von Wasserstation zu Wasserstation geschleppt. Diese Hitze ging mir echt an die Substanz. Den anderen allerdings auch, also war’s keine gute Ausrede. Während des Laufs hörte ich immer Stimmen. Konnte das aber nicht immer zuordnen. Irgendwann habe ich dann aber geschnallt, dass die ganzen Amis um mich herum andere, sich selbst und auch mich angefeuert haben. “come on”, “keep pushin'”, “digg deep”, “nice work, guy!”, “you’re lookin good!” usw. Witzige Leute. Hat Spaß gemacht! Nach 1:51 war der Halbmarathon dann auch durch. Deutlich unter meinen Erwartungen aber dafür war der Rest ich spitze.

Laufstrecke Ironman 70.3 Zell am See

Ironman 70.3 Zieleinlauf

Das beherrschen die Ironman-Leute in Perfektion. Der Zieleinlauf war wirklich phänomenal. Tolle Stimmung, laute Musik, zwei Moderatoren, die dich auf den letzten Metern nochmal angefeuert haben und offenbar auch ein paar Cheerleader, dich ich aber überhaupt nicht registriert habe. Nach 5:45h war ich im Ziel, sehr glücklich und wirklich stolz auf mich. Allein das Gefühl, dass auf dem Rad noch etwas mehr drin gewesen wäre und etwas Enttäuschung über das schlechte Laufergebnis hat die Stimmung kurz etwas getrübt. Da musste ich mich aber daran erinnern, dass ich die ganze Aktion ja zum ersten Mal und vor allem deshalb gemacht habe, um die Distanz zu schaffen und letztendlich dabei zu sein. Dafür war ich im Ziel dann noch recht fit und mir war ziemlich schnell klar: Das machst’e nochmal! 🙂

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Zieleinlauf Ironman 70.3 Zell am See

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