Laktatschwelle

Weniger posten, mehr trainieren!

Ironman Frankfurt 2016 – immer schön unter der Laktatschwelle bleiben

Die Absurditäten eines Ironman beginnen damit, dass man sich nachts um 4:00 Uhr mit Sonnencreme einschmiert. Dazu eine ordentliche Ladung Sitzcreme, Body Glide und Co. Etwas später steht man mit einer Horde anderer Bekloppter in der Frankfurter Innenstadt um sich zu wirklich unchristlicher Zeit auf den Weg ins Ungewisse zu machen. Die Vorstellung, wie es mir wohl bei Kilometer 30 im Marathon gehen wird, hauchte mir immer wieder gehörigen Respekt ein. Überhaupt war der Respekt vor der Gesamtdistanz an den Tagen zuvor und am Wettkampftag selbst meine dominierende Stimmung. Offensichtlich ging des anderen im Bus aber nicht so. Da war nix von meditierender, demütiger Stille zu spüren. Der belgische Tri- und Duathlonclub um mich herum benahm sich wie auf dem Weg zur Weihnachtsfeier. Gute Sache, ich war irgendwann so entspannt, dass mich Vereinskollegin Andrea daran erinnert, jetzt nicht einzuschlafen.

IMG_1558In der Wechselzone angekommen, wollte ich nur noch kurz mein Rad an einer Luftpumpenstation in Wettkampfstimmung bringen. Da konnte ich schon die ersten Tragödien des Tages beobachten. Es ist wohl nicht so einfach zwei Reifen für eine Langdistanz aufzumpen. Da wurde gepumpt, gefühlt, wieder gepumpt, wieder gefühlt. Rad wechseln, pumpen, fühlen, pumpen, fühlen. Was fummelte der da immer an seinem Reifen rum? Lieber nochmal vorne etwas pumpen, fühlen, pumpen, fühlen. Meiiiinnnn Gott, Junge mach hinne, dachte ich mir. Vor allem, weil ich noch ein paar Kandidaten in der Schlange vor mir hatte. Die stilisierten das Aufpumpen dann noch zu einer ähnlichen Kunstform und die Minuten verstrichen. Als ich an der Reihe war, bekam ich das ungute Gefühl, dass es mit dem bloßen aufpumpen auf “8 bar” wohl nicht getan sei. Vielleicht sollte ich auch mal etwas fühlen? Aber was? Diese Frage musste heute unbeantwortet bleiben… Ab in den Neo.

Das Anziehen meines Neos kann wiederum ein Aussenstehender auch als Kunstform verstehen, als eine asiatische Kampfkunst in Richtung Thai Chi mit Yoga-Elementen. Der Neo-Dealer meines Vertrauens beteuerte mehrfach, dass das Teil so eng sitzen müsse. Mein Vertrauen hat er, aber wenn er mein Anzieh-Ritual mal beobachten müsste, hätte er vielleicht etwas Mitleid mit mir. Irgendwann war ich drin und irgendwie verleiht einem diese zweite Haut ein Superhelden-Feeling. Insbesondere bei meinen Schwimmkünsten verleiht mir der Neo schon sowas wie Superkräfte. Ohne dieses Teil hätte ich nicht das Grundvertrauen, die Distanz lebendig zu überstehen. Wochen vorher hatte ich deshalb eine kleine Statistik über die Wassertemperatur des Langener Waldsees in Korrelation zur Umgebungstemperatur akribisch angefertigt. Auch Petrus verhielt nach Plan.

3.800m Schwimmen

In einem Buch hatte ich gelesen, dass man das Schwimmen so locker wie eine entspannte Trainingseinheit mit Freunden angehen lassen soll. Das berherzigte zumindest ich zu 100%. Wenn allerdings die Kontrahenten um mich herum meine Vereinskollegen wären, müsste ich mir wohl eine andere Truppe suchen. Trotz Rolling-Start war es schon ein ganz schönes Gewühle im Wasser. Ihr könnt euch ja gerne kaputtmachen, ich mache hier schön easy, dachte ich mir. Mein Versuch mich “an ein paar Füße dranzuhängen” blieb weitestgehend erfolglos. In dem trüben Wasser hatte ich Mühe und Not an einem Vordermann dranzubleiben, schlug mich allerdings wacker und war plötzlich schon am ersten Landgang angekommen.

IMG_0490 2

Australischer Landgang

Nach 1.500 Metern stand irgendwas mit 33 Minuten auf meiner Uhr. Gar nicht so schlecht für meine Verhältnisse, dachte ich mir. Doch dann fing das Rechnen an. Jetzt müsste ich mich ganz schön beeilen, um meine angestrebten 1:15h noch zu packen.

126_3rd-96288-DIGITAL_HIGHRES-1316_045030-2138309

In meinen unzähligen Schwimmeinheiten im Hallenbad hatte ich gelernt, dass ich nicht zwangsläufig schneller bin, wenn ich schneller Schwimmen möchte. Oft war eben das Gegenteil der Fall. Mein Schwimmstil hat also noch erhebliches “Verbesserungspotenzial”. Ich besann mich wieder darauf ruhig weiterzumachen. Auf 5 Minuten würde es heute eh nicht angekommen. Nach dem letzten Wegpunkt, konnte ich das Ziel sehen und mir wurde langsam klar, dass ich das Teil bald gerockt habe. 3,8km Schwimmen hatte ich immer als die größte Herausforderung gesehen und bald würde ich es tatsächlich geschafft haben. Alter Schwede!!! Von mir aus hätten es noch 1.000m mehr sein können, als ich aus dem Wasser taumelte. Ein Küsschen für meine Premium-Supporterin und ab in die Wechselzone.

Das Ausziehen meines Neos gestaltete sich schon deutlich einfacher als das Anziehen. Meine Füße waren allerdings total sandig. Ich widmete meinen Zehen-Zwischenräumen so große Aufmerksamkeit wie Dr. Best seinen Zähnen. Schließlich hatte ich keine Lust den Marathon mit aufgescheuerten Füßen laufen zu müssen. Geschlagene 10 Minuten gingen für diese Prozedur drauf und ich saß endlich auf meinem treuen Rädchen.

180km Radfahren

IMG_5081

Mein Spickzettel

Die Distanz hauchte mir gehörigen Respekt ein. Ich hatte wahrlich genug trainiert, war optimal vorbereitet, hatte alles akribisch geplant, berechnet und technisch war ich sowieso auf einen nuklearen Anschlag vorbereitet. Trotzdem wollte ich kein unnötiges Risiko eingehen. In meiner gesamten Vorbereitung hatte ich keinerlei Zwickereien in Wade oder Oberschenkel. Nix! Gar nix! Am Donnerstag vorm Wettkampf tauchte dann plötzlich ein leichtes Zwicken in der rechten Waden auf. Phantomschmerzen, redete ich mir ein. Das ist am Sonntag schon wieder weg. Auf dem Rad kam das Zwicken wieder, nur ganz leicht aber es war da. Naja, ich hab genug Zeit mich warmzufahren, dann wird das wohl schon weggehen. Außerdem habe ich ja noch eine zweite Wade. Das Zwicken musste verwaltet werden. Großartig Druck auf’s Pedal wäre zu riskant gewesen also lieber schön defensiv bleiben. Ich entschied mich, lieber 10% weniger von meiner geplanten Leistung anzupeilen. Auch hier hatte ich schließlich noch genug Zeit das etwas nach oben zu schrauben. Der Tacho blieb sowieso deutlich über 30 km/h also bestand auch hier kein Grund zur Hektik.

Noch auf dem Weg vom Langener Waldsee nach Frankfurt bemerkte ich immer wieder eine Fahrerin, die offensichtlich in meinem Tempo unterwegs war. “Tanja” mit der Startnummer 777 stellte sich als ein optimaler Pacemaker für mich heraus. Ich fuhr ihr einfach stumpf hinterher. Ja, natürlich mit dem geforderten Abstand. So spulten wir Kilometer für Kilometer ab und ich hatte das Gefühl diese ganze Aktion hier nicht alleine bestreiten zu müssen.

Trinken, Essen und Pinkeln

127_3rd-96288-DIGITAL_HIGHRES-1316_057924-2138310

Die Gel-Pampe schmeckt wirklich fantastisch!

Vereinskollege Sebastian rief mich am Abend vorher noch an und riet mir unbedingt genug zu essen. Das hatten mir alle, wirklich alle eingebleut. Gerd hat mir unzählige wertvolle Tipps gegeben, die mir das Leben auf der Langdistanz wirklich erleichtert hatten. Natürlich zählte “genug Essen” auch dazu.

Mein Garmin erinnerte mich alle 10 Minuten mit einem kleinen Wecker. Dann hieß es für mich einen Schluck Wasser zu trinken und alle 20 Minuten eine Portion meines Gel-Gemisches (12 Gels mit einem Schluck Wasser vermischt) runterzubringen. Alles lief astrein nach Plan. Meine Leistung war konstant, das Tempo im grünen Bereich und ich fühlte mich gut. Pulsgurt war kaputt, also entschied ich mich, dass mein Puls wohl auch im grünen Bereich sein müsste. Nur die Wade meldete sich gelegentlich.

Plötzlich machte sich meine Blase bemerkbar und ich sah mich einem nahezu undiskutierten Thema gegenüberstehen. Pinkeln! Wie pinkelt man auf einer Langdistanz? Anhalten und Zeit verlieren? Weiterfahren und sich vom Blasendruck stressen lassen? Weniger zu Trinken ist jedenfalls keine Option. Da bliebe noch das “Laufenlassen”. Bei dem Thema schweigt sich die Literatur größtenteils aus. Gesprochen wird auch eher auf intimen Radausfahrten darüber. Da wird auch mal das “Laufenlassen” thematisiert. Für größere Geschäfte bleibt wohl tatsächlich nur das Dixi. Ich will aber nicht wissen, welche explosiven Ausscheidungen die Mischung aus Gel, Riegel, Iso, Salztabletten und was sonst noch, anrichten kann. Ich blieb davon verschont. Inzwischen habe ich ja auch einen gewissen gastroenterologischen Erfahrungsschatz. 😉

Eigentlich wäre ein Pinkelstop kein Problem, wenn ich nicht dann Gefahr laufen würde meinen Pacemaker zu verlieren. Naja, dann probier ich mal Option “Laufenlassen”. Es soll ja Leute geben, die das können, ich gehöre offenbar nicht dazu. Verschiedene Anläufe schlugen fehl, keine Chance. Außerdem war die Option, “eingenässt” noch ein paar Stunden durch die Gegend zu düsen nicht besonders verlockend. Um meine Außenwirkung machte ich mir, ehrlich gesagt, keine Gedanken. Das Risiko, dass dadurch der Schutz meiner Sitzcreme leiden würde, machte mir größere Sorgen. Außerdem musste ich mir vorstellen, wie beträchtlich Teile der “Flüssigkeit” in meine Schuhe laufen würden und damit meine Füße in Mitleidenschaft ziehen könnte. Nein Danke, ich brauchte weitere Optionen. Über eine etwaige Geruchsbelästigung machte ich mir jedenfalls keine Sorgen. Schlußendlich entschied ich mich, etwas Vorsprung aufzubauen und nach einer schönen Pinkelstelle Ausschau zu halten. Was genau dann beim Pinkeln passierte, möchte ich hier nicht en detail darstellen. Ich bekam jedenfalls eine kleine Idee davon, wie sich Nierensteine, Harnwegsentzündung & Co. anfühlen könnten. Keine Ahnung woher das kam!

Der Laie muss wissen, dass wildes Pinkeln ein Regelverstoß bedeutet. Dixi-Klos müssen bevorzugt werden. Wenn es jedoch einfach nicht anders geht und auch keine Zuschauer dabei sind, darf man durchaus mal seine Notdurft am Straßenrand verrichten. So geschehen und planmäßig überholte mich Startnummer 777 kurz bevor ich wieder auf dem Rad war. Eine sehr moderate Aufholjagd brachte mich wieder in die Nähe meiner persönlichen Pacemakerin. Hallo, da bin ich wieder! Vermutlich wird sie davon jedoch überhaupt nichts mitbekommen haben.

Die gesamte Radstrecke lief wie am Schnürchen. Insgesamt konnte ich knapp 1.000 Leute überholen. Das ist natürlich enorm motivierend. Gelegentlich tauchte auch eine kleine Truppe Gütersloher auf, die mich lautstark anfeuerte. Eine herausragende logistische Leistung von den Supportern. Wahnsinn, wie ihr das gemacht habt, Leute!!! Neben mir waren nämlich noch ein paar andere Tri-Teamer am Start. Silvia und Andrea hatten schon eine Langdistanz auf dem Buckel. Hendrik und ich gingen heute als Langdistanz-Novizen des 1. Tri-Team Gütersloh GTV an den Start. Dazu noch ein paar Triathleten aus Oelde. Unter anderem auch “Schumi”, der ebenfalls Neuling auf der Langdistanz ist und der mir des öfteren als Leidensgenosse über den Weg gelaufen war.

Bei meinem zweiten Pinkelstop hatte ich meine Pacemakerin wohl abgehängt und war plötzlich alleine unterwegs. Ich entschied mich das Tempo noch etwas anzuziehen, weil es mir bis dahin erschreckend gut ging. Die Wade hielt.

Vielleicht 20km vor dem Ziel tauchte plötzlich Andrea vor mir auf. Ein kurzer Schnack über den ekeligen Wind und weiter ging’s. Wind war da noch das vorrangige Ärgernis. Ich hatte aber nur so lange Gelegenheit mich darüber aufzuregen, bis der Regen einsetze. Es fing richtig an zu schütten. Traumhaft, wenn man mit 40 Sachen auf nassglatter Straße in der Frankfurter Innenstadt unterwegs ist. Die Zuschauer am Heartbreak Hill hatten auch schon Feierabend gemacht und ich wurde endgültig an mein nahezu zuschauerfreies Marathon-Debüt in Frankfurt erinnert. Der Regen ließ dann jedoch die Option “Laufenlassen” wieder in einem ganz anderen Licht erscheinen. Die Gelegenheit es ausprobieren zu können, blieb mir jedoch verwehrt.

IMG_0708

Mit dem Hobel ging’s durch Frankfurt

Es ist schon komisch, wenn man mir nix, dir nix, 180km gefahren ist. Meine Wade hat brav durchgehalten. Der Nacken machte sich dann doch etwas bemerkbar und auch der untere Rücken hat sich etwas gemeldet. Allerdings noch nichts besorgniserregendes. Ich hatte das gute Gefühl mit ordentlich Power auf die Laufstrecke gehen zu können. Alles nach Plan…

Zum Abschluss noch ein Marathönchen

118_3rd-96288-DIGITAL_HIGHRES-1316_040806-2138301

ähh, 5er Schnitt bei 42km macht…. ähh

“Ne Wurst geht immer!” bzw. “nen 10’er bekommt man immer irgendwie hin”. Naja, einen Halbmarathon traue ich mir auch zu fast jeder Tages- und Nachtzeit zu aber nach 180km noch einen ganzen Marathon zu laufen ist einfach total bescheuert. Man kann sich das einfach nicht vorstellen. An dem Tag hatte ich aber auch nicht vor einen Marathon zu laufen, sondern 4 Runden durch Frankfurt, die jeweils 10,5km lang sind. Mega clever von mir. 😉 Ich war gespannt, ob ich mich selbst verarschen konnte.

In der Wechselzone angekommen, musste ich jedoch erstmal meinen Beutel finden. Das war gar nicht so einfach. Das System, wie die da die Beutel aufgehängt haben, habe ich in meinem Zustand jedenfalls nicht kapiert. Die Helfer konnten mir aber auch nicht weiterhelfen. Nach ein paar Minuten war der Beutel dann aber gefunden und per Zufall startete ich mit Schumi (s.o.) auf die erste Laufrunde. Man nimmt sich natürlich vor, die ersten Kilometer eher locker angehen zu lassen, läuft dann aber trotzdem wie ein Irrer los. Ich musste ständig meine Uhr checken, weil ich einfach kein richtiges Gefühl für das Tempo hatte. Bei einem 5:00’er Schnitt wollte ich mich einpendeln um die zweite Hälfte dann noch mit einer heroischen Tempoerhöhung zu absolvieren. “Hinten raus schnell werden” war meine Devise. Mein Pulsgurt hatte eh den Dienst verweigert, weshalb ich nach Gefühl lief und ab und an mal mein Tempo kontrollierte. Es lief echt überraschend gut. So gut, dass ich immer wieder mit dem Gedanken spielte, das Tempo doch noch etwas zu erhöhen. Ruhig Brauner! Lieber jetzt nicht kaputtmachen. Selbst ein Marathon ist noch lang genug um seine Zeit noch etwas zu verbessern und hier kommt es auch nicht mehr auf 5 Minuten an. Der Tempounterschied zwischen den Endzeiten 3:40h oder 3:25h kann dich aber mit Sicherheit als das “Leiden Christi” ins Ziel bringen. Vorausgesetzt Du hast es überhaupt bis ins Ziel geschafft. Ich hatte hier eh keine Ananas zu gewinnen und entschied mich für ein moderates Tempo und versuchte das Teil hier irgendwie locker nach Hause zu bringen. Naja, locker geht das dann auch noch auf den ersten 10km. Aber spätestens ab der Halbmarathon-Marke wird die Nummer dann schon echt anstrengend, kann man sagen. Zwischendrin war ich wohl auch mal im Fernsehen, weil ich einer der führenden Frauen ziemlich lange hinterher gelaufen bin. Ihren Sieg wollte ich dann nicht zerhageln und hab sie ziehen lassen. Gentelman, wie ich bin. 🙂 Eine Kamera hatte neben dieser traumhaften Bewegungsstudie “Sich-Dahin-Schleppen-im-Ironman” allerdings auch einen meiner Pinkelstops cineastisch festgehalten. Naja, schöne Erinnerungen, wenn man schonmal im Fernsehen ist.

Als ich Kilometer 21 passiert hatte, standen fast 9h Gesamtzeit auf meiner Uhr. In dem Moment kam mir das jedoch nicht so vor. Mein Zeitgefühl ist bei solchen Wettkämpfen völlig im Eimer. Man hätte mir sagen können, dass erst zwei Stunden um sind und ich hätte das spontan abgekauft.

IMG_3394 2

Wirklich, wirklich aufbauend waren meine Supporter am Streckenrand. Es gab Phasen, da bin ich nur von einem “Treffpunkt” zum nächsten gestolpert. Meine ganze Family und meine Premium-Supporterin waren am Start. Dazu noch viele, viele andere Supporter aus der Heimat, die man plötzlich entdeckt. Ich will gar nicht wissen, wieviele Kilometer Ihr alle an dem Tag zurückgelegt habt. Vielen, vielen Dank für Euer Anfeuern. Das war wirklich unverzichtbar!

IMG_4335 2

Kids am Rand bitte immer abschlagen, es könnte mein Neffe sein.

Neben der anfeuernden Meute hangelte ich mich von Versorgungsstation zu Versorgungsstation. Immer die gleiche Prozedur: Schluck Wasser, ein Stritzer Gel und wieder ein Schluck Wasser oben drauf. Ab und zu hab ich mir noch eine Cola gegönnt, in der Hoffnung es würde ein Placebo-Effekt eintreten. Das Gerücht, in Frankfurt würde man auch Wurstwasser bekommen können, kann ich (leider) nicht bestätigen. Auf Sebastians Ratschlag hin, hatte ich mich noch um Bifi und Snickers gekümmert. Ich glaub’, meine Mutter hätte auch noch ein Käsebrot dabei gehabt. Aber heute kam Eikes Diesel komplett mit Gel über die Runden. Echt heftig, wie gut diese Chemie-Pampe funktioniert.

Auf den letzten Kilometern wollte ich dann nochmal gucken, ob noch was rauszuquetschen wäre. Schließlich hatte ich ja den restlichen Tag gut gehaushaltet. Ich beschloß, mein Tempo nochmal ordentlich anzuziehen. 5 Kilometer Endspurt sozusagen. Die Rechnung hatte ich aber ohne den Ironman-Gott gemacht. Mein Tempo ging eher runter als hoch und mein Entschluss verpuffte im Nichts. Ich musste einfach einsehen, dass ich meine Körner so langsam verschossen hatte.

Über meine Endzeit machte ich mir keine großen Gedanken mehr. “Unter 11 Stunden”, das war mir sicher, wenn ich nicht ins Ziel kriechen würde. So hab ich mir auf der letzten Brücke dann mal meine erste und einzige kleine Gehpause gegönnt. Für den Zieleinlauf wollte ich schließlich frisch und erholt aussehen. Trikot und die verbleibenden Haare nochmal richten und ab auf die letzte Meter ins Ziel. Der Zieleinlauf würde mir besonders leicht fallen, den hatten ich schließlich schon sehr oft geübt.

134_3rd-96288-DIGITAL_HIGHRES-1316_092558-2138317

Der Zieleinlauf ist schon ein surreales Gefühl. Ich hatte monatelang dafür trainiert und jetzt soll’s gleich schon wirklich zu Ende sein. Die letzten Meter konnte ich wirklich genießen. Mir ging’s super und ich wusste, dass ich heute eine Herausforderung bestanden hatte, die ich noch vor einem Jahr für völlig unmöglich gehalten hatte. Anything is possible, Leute!

147_3rd-96288-DIGITAL_HIGHRES-1316_109717-2138330

Dankeschön!

So ein Ironman-Projekt macht man nicht alleine. Auf meinem Weg haben mich eine Menge Leute unterstützt. Zwei Augen zugedrückt, wenn ich mal später oder gar nicht aufgetaucht bin, fleißig für mich gekocht, den Lärm der Rolle und den Ventilator im Wohnzimmer ertragen, mich mit Trainingsplänen aus der Hölle versorgt, meinen Vorträge über Training, Ernährung und Co. geduldig zugehört, mit mir Kilometer abgespult, mich aufgemuntert, 400’er auf der Bahn bis zur Kotzgrenze gelaufen, gute Ratschläge gegeben, mir Equipment geliehen, auf den Gipfeln in Italien auf mich gewartet, das Sauerland unsicher gemacht und so weiter und so fort… Vielen lieben Dank an Euch alle!

IMG_9975

 

Hier noch fix für die Statistik:

  • Schwimmen: 1:21h
  • Radfahren: 5:30h
  • Laufen: 3:42h
  • Insgesamt: 10:48h,
  • Platz 186 (Altersklasse), 997 (insgesamt)

 

« »

© 2018 Laktatschwelle. Theme von Anders Norén.