“Hast Du am Wochenende auch irgendwas sinnvolles getan?”

Manche von Euch kennen das vielleicht. Unter Freunden, Familie und Kollegen fragt man sich, was man denn am Wochenende so gemacht hätte. Von Ausflügen, Tierparkbesuchen, Eisessen, Parties, Saufgelagen, “gar nix” und Co. ist alles dabei. Da gibt man inzwischen nur noch kleinlaut bekannt, dass man “mal wieder” Rennrad gefahren sei. “Wie viel Kilometer denn?”, “170”, “Waaas, wie lange braucht man denn dafür? Hast Du nichts besseres zu tun gehabt?”

Schon richtig, ich bin an einem Sonntag um kurz nach 7 aufgestanden. Völliger Quatsch für einen Tag an dem man eigentlich mal ausschlafen könnte, hab’ mir dann eine Schale Haferflocken reingeknallt um dann mit ein paar anderen Bekloppten die Bielefelder RTF vom TSVE zu fahren. Auf dem Foto sieht man Sandra (vorbildlich im Vereinstrikot) und mich (im Lexxi-Froschanzug). Wir beiden sind die 120’er Runde gefahren, weil Sandra sich gerade auf den total krassen “Maratona dles Dolomites” vorbereitet. Hammerhart, die Sandra! Selbst auf dem Rückweg über mein Heimatdorf Brockhagen habe ich dann noch einen letzten Versprengten dieser Bekloppten-Truppe getroffen. Johannes wollte auch noch ein paar Kilometer auf den Tacho spulen und ist dann auch sicher bei 170+ gelandet.

Beim Fahren hab ich mich besonders auf das tolle Essen bei den Kontrollpunkten gefreut. Nutella- und Schmalzbrote, Obst, Instanttee und Co. – fantastisch! Die Kollegen vom TSVE hängen sich da wirklich rein und sind mit einer Menge Spaß dabei. Sicher eine der besten RTFs hier weit und breit. Vor allem das Essen ist super, falls ich das noch nicht erwähnt habe. Dabei auch noch traumhaftes Wetter. Tolle Sache! Was daran so toll ist, kann natürlich nicht jeder nachvollziehen und so bekomme ich in der Folge Fragen zu Sinn und Unsinn dieser Aktion gestellt. Früher habe ich das erklärt – versucht zu erklären. Heute versuche ich das auch noch, entgegne aber nicht mehr mit Hinweisen auf die “gute Vorsätze” meines Gegenübers. Hilft eh nix.

Ich verstehe jeden der sonstwas in seiner Freizeit unternommen hat und stelle das auch nicht (nicht immer jedenfalls) in Frage. 170 km Rennradfahren wecken aber offensichtlich ein gewisses Aggressionspotential. Sicher einerseits darin begründet, dass dem “Unsportlichen” damit seine “guten Vorsätze” wieder vorgeführt werden und er versucht sein schlechtes Gewissen damit zu beruhigen meine Aktion in Frage zu stellen. Das äußert sich mitunter in einer Relativierung der Leistung wie “so viele Höhenmeter sind das aber nicht” oder “schneller warst Du nicht?”.

Andererseits aber auch der Ausdruck einer gut gemeinte Sorge: “Meinst Du, dass das wirklich gut ist?” bis hin zu Äußerungen hinter verborgener Hand à la “Hat Eike vielleicht ein Sportsucht-Problem?”. Meine Mutter hat sich inzwischen daran gewöhnt und erinnert mich nur noch daran ordentlich zu essen, es nicht zu übertreiben und doch bitte vorsichtig zu sein. Vorm Hermann wünschte Sie mir “Viel Erfolg aber nicht um jeden Preis, mein Junge!”

Jeder von den Bekloppten, die am Sonntag stundenlang in die Pedale getreten haben, wissen jedenfalls, warum das sinnvoll war und das es ihnen vor allem Spaß gemacht hat, denn so total bekloppt sind wir dann eben doch nicht.

#CyclingIsTheNewGolf